Compliance

DSGVO: Welche Schülerdaten dürfen Lehrkräfte erheben?

Die Frage kommt bei jedem Digitalprojekt auf und erhält meist zwei gleichermaßen falsche Antworten: «Man darf ja gar nichts mehr» oder «Es prüft ohnehin niemand». Die Wirklichkeit ist einfacher. Die DSGVO verbietet keine digitalen Werkzeuge im Unterricht: Sie verlangt, nur das Notwendige zu erheben, den Zweck zu kennen und ihn erklären zu können. Dieser Artikel ist eine Entscheidungshilfe, keine Rechtsberatung.

📅 Veröffentlicht am 03/09/2026 ⏱ 9 Min. Lesezeit ✍️ Équipe EduTools

Wer wofür verantwortlich ist

Das ist der am wenigsten verstandene Punkt — und alles Weitere hängt davon ab.

Praktische Folge: Wer allein ein Werkzeug einführt, verpflichtet seine Einrichtung, ohne dass diese davon weiß. Das ist kein moralisches Versagen, sondern ein verbreiteter blinder Fleck — und genau das verhindert das folgende Vorgehen.

Auf welcher Grundlage darf verarbeitet werden?

Jede Verarbeitung braucht eine Rechtsgrundlage. Im Bildungsbereich ist die häufigste nicht die, die man vermutet.

Für alles außerhalb des Unterrichtsrahmens bleibt die Einwilligung einschlägig: ein Foto veröffentlichen, Arbeiten außerhalb der Klasse zeigen, einen freiwilligen Dienst nutzen.

Was vertretbar ist — und was nicht

Der Grundsatz der Datenminimierung lässt sich mit einer einzigen Frage prüfen: Funktioniert die Aktivität auch ohne dieses Datum? Wenn ja, erheben Sie es nicht.

Der nützliche Reflex ist der umgekehrte: Fragen Sie nicht «Darf ich das erheben?», sondern «Worauf kann ich verzichten?». Eine Aktivität, die mit einem spontan eingegebenen Vornamen auskommt, ist weit leichter zu begründen als ein ausgefülltes Lernendenkonto.

Wie lange aufbewahren und wie löschen

Die Speicherdauer ist die am häufigsten vergessene Pflicht. Daten sollen nicht unbegrenzt bleiben, weil sie «vielleicht mal nützlich» sind.

Prüfen Sie, ob das Werkzeug wirklich löscht und nicht nur ausblendet. Eine «Archivierung», die alles unbegrenzt behält, erfüllt die Pflicht nicht.

Betroffene haben Rechte, die Sie erfüllen können müssen: Auskunft, Berichtigung, Löschung. Eine Familie, die schreibt, muss binnen eines Monats eine Antwort erhalten.

Sieben Fragen vor der Einführung eines Werkzeugs

Diese Liste passt auf eine Seite und lässt sich jedem Anbieter stellen. Eine ausweichende Antwort ist selbst schon eine Antwort.

Halten Sie die Antworten schriftlich fest: Sie bilden den größten Teil der Unterlagen, die Ihre Datenschutzbeauftragte Person verlangen wird.

Dieser Artikel beschreibt allgemeine Grundsätze und stellt keine Rechtsberatung dar. Wenden Sie sich für den Einzelfall an die Datenschutzbeauftragte Person Ihrer Organisation.

Häufige Fragen

Braucht es die Zustimmung der Eltern für ein digitales Werkzeug im Unterricht?
Nicht grundsätzlich. Fällt die Nutzung unter den Bildungsauftrag, ist die Rechtsgrundlage nicht die Einwilligung, sondern die Aufgabe im öffentlichen Interesse: Dann ist zu informieren, nicht um Erlaubnis zu fragen. Zustimmung wird nötig, sobald der Rahmen überschritten wird, etwa bei der Veröffentlichung eines Fotos.
Darf eine lernende Person die Nutzung ablehnen?
Sie kann eine Alternative verlangen, und eine solche vorzusehen ist gute Praxis — Partnerarbeit, mündliche Beteiligung. Das verhindert Ausschluss und löst zugleich die Gerätefrage.
Genügen Pseudonyme, um aus der DSGVO herauszufallen?
Nein. Ein Pseudonym, über das sich eine Person zuordnen lässt, bleibt ein personenbezogenes Datum: Das ist Pseudonymisierung, nicht Anonymisierung. Es senkt das Risiko, hebt die Pflichten aber nicht auf.
Was tun, wenn ein Werkzeug bereits ohne Freigabe genutzt wird?
Ziehen Sie es nicht mitten in einer Einheit zurück: Melden Sie es der Datenschutzbeauftragten Person und dokumentieren Sie, was erhoben wird. Eine Nachbesserung ist fast immer möglich; problematisch ist anhaltendes Schweigen.

EduTools-Funktionen zu diesem Artikel

Weiterlesen

Bereit, EduTools auszuprobieren?

Erstellen Sie Ihren ersten interaktiven Raum in weniger als 5 Minuten. Kostenloser Tarif, keine Kreditkarte erforderlich.

Kostenlos starten